Prater Riesenrad dreht weltweit am längsten
Errichtet wurde das Riesenrad 1897 anlässlich des 50-jährigen Thronjubiläums von Kaiser Franz Joseph I. Auftraggeber war der britische Ingenieur Walter Basset, die technische Umsetzung übernahm Hubert Cecil Booth von Maudslay, Sons and Field. Nach nur acht Monaten Bauzeit fand am 25. Juni 1897 die erste Fahrt statt, die feierliche Eröffnung folgte am 3. Juli. Mit 64,75 Metern Höhe, rund 61 Metern Durchmesser und 430 Tonnen Eisen zählte das Bauwerk von Beginn an zu den technischen Sensationen seiner Zeit. Ursprünglich drehten sich 30 Waggons an der Konstruktion und boten den Fahrgästen einen außergewöhnlichen Blick über Wien.
Die Geschichte des Riesenrads verlief nicht ohne Brüche. 1944 zerstörte ein Bombentreffer weite Teile der Anlage, sämtliche 30 Waggons brannten aus. Nach Kriegsende wurde aus Kostengründen nur jeder zweite ersetzt. Am 25. Mai 1947 nahm das Riesenrad mit 15 Gondeln den Betrieb wieder auf und blieb über Jahrzehnte in dieser Form erhalten. Erst 2016 wurden die verbliebenen Gondeln durch originalgetreue Nachbauten mit moderner Technik ersetzt. Parallel dazu schrieb das Wiener Wahrzeichen Filmgeschichte. 1949 wurde es zum Schauplatz des Klassikers „Der dritte Mann“, 1987 war es im James-Bond-Film „Der Hauch des Todes“ zu sehen. Beide Produktionen trugen dazu bei, das Riesenrad weit über Österreich hinaus als unverwechselbare Wiener Kulisse bekannt zu machen.
Heute betreibt die Wiener Riesenrad Dr. Lamac GmbH die Anlage am Riesenradplatz 1 ganzjährig. Bei einer Umlaufgeschwindigkeit von gemächlichen 2,7 Kilometern pro Stunde bleibt reichlich Zeit für den Blick über Wien. Seit Mai 2022 ergänzt die Plattform 9 das Angebot, eine offene Glasplattform ohne Seitenwände und Dach für Besucher mit ausreichend Schwindelfreiheit. Im Eingangsbereich erzählt das Panorama Museum die Geschichte des Riesenrads und der Stadt, einzelne Gondeln können zudem für Dinner, Empfänge oder Hochzeiten gebucht werden. Zum Saisonstart 2026 kündigte der Betreiber eine ECARF-zertifizierte Beschichtung der Kabinenfenster an. Sie soll die Reinigung erleichtern und zugleich den Komfort für die Fahrgäste verbessern. Der reguläre Fahrpreis für Erwachsene liegt derzeit bei rund 14,50 Euro und umfasst eine klassische Fahrt mit dem Wiener Wahrzeichen.
Wer den Blick über Wien ohne Wände und Fenster erleben möchte, kann seit 2022 auf der „Plattform 9“ mitfahren. Anstelle einer geschlossenen Gondel stehen die Fahrgäste auf einer offenen Stahlkonstruktion mit Glasboden, ohne Seitenwände und ohne Dach. In bis zu 65 Metern Höhe trennt sie damit wenig vom freien Blick nach unten. Ungesichert ist das Erlebnis dennoch nicht: Die Teilnehmer tragen Gurte und werden während der Fahrt von einem Mitarbeiter des Riesenrads begleitet. Bis zu vier Gäste können gleichzeitig auf der Plattform stehen. Eine Fahrt kostet ab 89 Euro pro Person und dauert etwa 15 Minuten. Damit bietet das historische Riesenrad neben der klassischen Fahrt auch eine Variante für Besucher, denen der gemächliche Blick aus der geschlossenen Gondel nicht aufregend genug ist.